Was ist die Blende? - Fotografie einfach erklärt

Ein, wenn nicht das, zentrale Element in der Fotografie ist die Blende – oder auch die Apertur.

Wenn du den Umgang mit der Blende effektiv beherrscht, dann bist du auf einem wirklich guten Weg und bist bereit für die Kreative Fotografie.

Die Blende macht nämlich den unterschied zwischen flachen, eindimensionalen und multidimensionalen Fotos.

Doch zunächst eins nach dem anderen.

Was ist ‘die Blende’?

Ganz vereinfacht ausgedrückt – Es ist das Loch im Objektiv.

Wenn du den Auslöser durchdrückst, dann kommt durch die Blende am Objektiv Licht auf den Sensor.

Wie weit das „Loch“ geschlossen wird, hängt unmittelbar mit dem Blendenwert zusammen. Diesen kannst du an der Kamera einstellen und steht z.B. auf f/5.6.

Dabei gilt zu beachten, je größer die Zahl ist, desto weiter wird die Blende geschlossen. Je kleiner die Zahl, desto offener die Blende.

Unterschied zwischen offener und geschlossener Blende

MERKE:
Kleine Zahl = Große Blendenöffnung = Große Blende = Offene Blende
Große Zahl = Kleine Blendenöffnung = Kleine Blende = Geschlossene Blende

Warum diese ganze Verwirrung mit dem “Klein ist Groß und Groß ist Klein”?

Das liegt an dem Bruch 😃 das F steht nämlich für “Focal” oder Brennweite. Es ist also das Verhältnis zwischen der Brennweite und dem Radius der Öffnung.

Und schon wird klar, dass man bei kürzeren Brennweiten eine kleinere Öffnung benötigt. Deshalb hat das Kit-Objektiv auch eine variable Blende von f/3.5 – f/5.6.

Die Blende und das Licht

Die Blende ist ein Parameter im Belichtungsdreieck. Wird die Blende verändert, verändert sich auch die Lichtmenge, die auf den Sensor kommt.

Ist auch irgendwo logisch, oder? Ich mein, die Gießkanne ist auch schneller leer, wenn vorne das Brausemundstück nicht drauf ist.

Dabei bekommt man mehr Licht auf den Sensor, je offener die Blende ist (also je kleiner die Zahl ist).

Die Blende und die Schärfentiefe.

Kommen wir endlich zum interessanten Teil. Die Blende steuert nämlich nicht nur das Licht (bzw. die Lichtmenge), sie beeinflusst auch unmittelbar den Bereich, der im Bild scharf abgebildet wird.

Schärfentiefe oder Tiefenschärfe?

Zunächst einmal etwas zur Begriffserklärung. Ich sehe es immer wieder, dass diese beiden Begriffe durcheinander gebracht werden.

Was übrigens gar nicht geht, ist die Tiefenunschärfe 😃 Lustig ist hingegen wieder Schiefentärfe.

Gemeint ist eigentlich dasselbe. Was ist aber richtig?

Google findet zum Thema Tiefenschärfe 630 Tausend Ergebnisse, während es zu Schärfentiefe “nur” 563 Tausend gibt.

Wikipedia kennt nur Schärfentiefe und leitet von Tiefenschärfe weiter.

Der Duden leitet von Tiefenschärfe zu Schärfentiefe weiter.

Und was ist jetzt richtig?

Einmal ganz logisch überlegen.

Was beschreibt der Begriff Tiefenschärfe? Die Schärfe der Tiefe.
Und die Schärfentiefe? Die Tiefe der Schärfe.

Hat die Schärfe eine Tiefe? Ich glaube kaum, wohl aber gibt es die Tiefe der Schärfe. Also ist demnach Schärfentiefe korrekt.

Die Schärfentiefe kannst du auch als eine Ebene betrachten, die Scharf abgebildet wird. Alles davor und dahinter verschwimmt so langsam in Unschärfe.

Im Englischen ist es übrigens mal wieder viel einfacher. Da heißt es nur “Depth of Field”, also Tiefe des Feldes bzw. (in diesem Kontext) der Ebene.

So steuerst du effektiv die Schärfentiefe

Eingangs habe ich erwähnt, dass man kreative Fotos machen kann, indem man mit der Blende spielt.

Tatsächlich ist es so, dass eine offene Blende nur einen Teilbereich des Bildes scharf abbildet. Nämlich den Bereich (bzw. die Ebene) der komplett parallel zum Sensor liegt. Alles vor und nach der Ebene ist unscharf. Je weiter ein Objekt von dieser Ebene entfernt ist, desto unschärfer wird es.

Was meinst du, wohin geht der Blick als erstes, wenn man ein Bild anschaut? Meistens ist es der Bereich, der scharf abgebildet wird.

Und gerade durch die Unschärfe, wird das Bild auch Dreidimensional.

Es ist aber auch nicht immer einfach mit offener Blende zu fotografieren. Die Schärfeebene kann nämlich mal ganz schnell unter einem Millimeter kommen. Wenn da der Fokus nicht sitzt, ist das Foto meist Ausschuss.

In der Praxis ist das meist so, dass aus einem Fotoshooting mit 200 Bildern, gerade einmal 10 bis 20 technisch einwandfreie brauchbare Bilder. Gerade Anfänger frustriert solch ein hoher Ausschuss (mich früher auch, heutzutage etwas weniger), das ist aber normal, wenn man mit Blende f/1.8 und offener fotografiert.

Wie du die Schärfentiefe bewusst einsetzen kannst

Die erste Frage lautet: Wozu?

Ganz einfach: Um das Motiv “freizustellen”. Bedeutet, es man das Motiv vom Hintergrund abhebt. Das Hauptmotiv wird scharf abgebildet. Sowohl der Vorder- als auch der Hintergrund verschwinden jedoch komplett in der Unschärfe.

Wenn du ein Bild betrachtest, wandert dein Blick sofort auf die schärfste Stelle im Bild. Das sollte dein Motiv sein. Es muss noch nicht einmal eine Person sein. Selbst wenn eine Person auf dem Bild zu sehen ist. Diese ist dann nur noch “Beiwerk”.

Blumenstrauß im Fokus bei zwei Personen

Hauptmotiv ist hier tatsächlich der Blumenstrauß und nicht das Hochzeitspaar. Wäre das Paar scharf, wäre die Kernaussage des Bildes eine komplett andere.

Hast du schon einmal mit deinem Handy ein Portraitfoto gemacht? Am besten noch Ganzkörper. Der komplette Hintergrund ist scharf, oder? Es ist relativ schwer einen geeigneten “Einstiegspunkt” zu finden.

Um die Schärfentiefe zu variieren, hast du 3 Möglichkeiten:

  1. Den Abstand zwischen Sensor und Motiv (je näher, desto kleiner die Schärfentiefe)
  2. Die verwendete Brennweite (je größer/länger, desto weiter bist du weg, desto kleiner ist die Schärfentiefe)
  3. Die verwendete Blende (je offener, desto kleiner die Schärfentiefe)

Da wir nicht unendlich viel Platz haben um eine lange Brennweite zu verwenden, müssen halt offene Blenden verwendet werden.

Das ist übrigens der wahre Grund, warum die Portraitfotografen so viel Geld für lichtstarke Objektive ausgeben und z.B. das 50mm f/1.2L einem 24-105 f/4.0L vorziehen.

Schärfentiefe und Bokeh

Leider werden öfter der unscharfe Hintergrund und Bokeh miteinander verwechselt.

Bokeh am Weihnachtsbaum

Das Bokeh bezeichnet kleine Lichtreflexe im Hintergrund. Dies kommt unmittelbar zustande, wenn der Hintergrund unscharf ist. Allerdings hat nicht jeder unscharfe Hintergrund ein Bokeh.

Den Hintergrund kannst du ebenfalls über Entfernungen unscharf bekommen. Je größer der Abstand zwischen deinem Motiv und Hintergrund im verhältnis zwischen Motiv und Sensor ist, desto unschärfer wird das Bild.

Es kommt aber auch auf die verwendete Brennweite an. Selbst wenn sich dein Motiv nicht bewegt, du deine Blende nicht änderst aber voll raus zoomst, wird dein Hintergrund schärfer.

Wenn du jedoch irgendwas um die 100mm verwendest und der Hintergrund weit genug weg ist, ist dein Hintergrund nur noch “matsche”. Wenn dann noch ein paar Lichtreflexe als Bokeh hinzukommen. Ein Traum 😃

Zunehmende und abnehmende Schärfe

Man kann es in vielen Tests nachlesen, dass die Objektive etwas abgeblendet eine bessere Schärfe aufweisen und ab einer gewissen Blende immer schlechter werden.

Aus diesem Grunde würde ich auch keine Landschaftsfotos mehr mit einer Blende f/22 machen. Besonders nicht mit einem Weitwinkel (Stichwort: hyperfokale Distanz).

Objektive erreichen in der Regel ihre Bestleistungen im Bereich f/4 bis f/11.

Soll aber nicht heißen, dass es keine Objektive gibt, die bereits bei Blende f/2 nicht bereits superscharf sind.

Früher, bei alten lichtstarken Objektiven haben die Fotografen noch zwischen der “Marketingblende” und der “Arbeitsblende” unterschieden.

Wenn auf dem Objektiv 50mm f/1.8 stand, dann war f/1.8 die Marketingblende. Es war zwar möglich damit zu fotografieren, die Bilder waren jedoch unbrauchbar. Verwendet wurden die Objektive, indem man diese um zwei volle Blendenstufen abgeblendet hat (in dem Fall f/4.0). Erst da wurden die Ergebnisse gut brauchbar.

Merksätze oder auch Bauernregeln

Eine kleine Hilfe können auch ein paar Bauernregeln bieten, die noch aus der analogen Zeit kamen.

  1. Wenn die Sonne lacht, nimm Blende 8
  2. Für Mensch und Tier, nimm Blende 4
  3. Ist die Blendenzahl unter drei, wird der Hintergrund zu Brei.
  4. Mit einer größeren Blende, nimmt die Schärfe gar kein Ende.

Ein wenig Kunst …

Zu guter letzt, habe ich mich versucht künstlerisch zu betätigen und habe mal ein kleines Bildchen gemalt.

Hier kannst du (hoffentlich 😉) sehen, welchen Einfluss die Blende auf ein Bild hat.

Im übrigen ist der relative Unterschied zwischen den Werten in der Mitte komplett gleich. Von Blende f/1.4 auf f/5.6 ist der gleiche Unterschied wie auch von f/5.6 auf f/22. Nämlich genau 3 Blendenstufen.

Ich finde, da wird einem erst richtig bewusst, wie “schlecht” Blende f/5.6 im Vergleich zu einem f/1.4 abschneidet 😃

Kleine Hausaufgabe

Mach doch einmal den folgenden Versuch:

Positioniere deine Kamera auf ein Stativ vor einem geöffneten Buch und richte es schräg aus. So 30° sollten gut sein. Fotografiere die komplette Blendenreihe einmal durch.

Im zweiten Versuch kannst du ein statisches Motiv etwa 1-2 Meter mit ausreichendem Abstand zum Hintergrund (am besten draußen) vor die Kamera positionieren und ebenfalls die Blendenreihe durch fotografieren.

Vergleiche die Ergebnisse und achte sowohl auf das Motiv als auch auf den Hintergrund.

Wähle bei diesem Versuch den Av-Modus (Zeitautomatik/Blendenvorwahl) und variiere nur die Blende.

Fazit – Blende

Die Blende beeinflusst unmittelbar die Schärfentiefe und ist ein wunderbares Gestaltungselement.

Durch die offene Blende hat man jedoch eine verringerte Schärfentiefe bzw. eine (ich nenn es mal) “dünnere” Schärfeebene.

Wenn du noch nicht so ganz mit dem Umgang der Offenblende gewohnt bist, blende zunächst um 1 bis 2 Blendenstufen ab. Mit der Zeit und der Erfahrung kannst du anschließend ruhig die Blende weiter öffnen.

Hat dir dieser Artikel gefallen? Dann teile ihn in deinen sozialen Kanälen und hinterlasse ein Kommentar wenn du es genauso siehst. Auch würden mich deine Ergebnisse interessieren. Gerne kannst du die Ergebnisse in den Kommentaren auch verlinken. Oder meinst du, ich habe absoluten Blödsinn geredet? Auch dann würde ich mich über einen Kommentar freuen 😃

sharing is caring

Was denkst du darüber?

Ups, da ist noch ein Fehler! Bitte korrigiere die markierten Felder.
Danke! Dein Kommentar bedarf noch einer Moderation. Ich schalte ihn bald frei.