Blende, ISO, Belichtungszeit - Die Belichtung einfach und konkret erklärt

Seit es die Fotografie gibt, gibt es auch die Frage nach der korrekten Belichtung.

Früher oder später, wirst du dir bestimmt auch die Frage stellen, warum dein Foto nicht wirklich so geworden ist, wie du es gerne hättest. Wenn du dich das ein wenig öfter fragen wirst, befragst du wahrscheinlich eine Suchmaschine und versuchst dich in das Thema einzulesen.

Ich habe mal das mal gemacht und bei Google das Stichwort “Belichtung” eingegeben. Mir wurden direkt über 2 Millionen Seiten vorgeschlagen. Puh, das ist viel.

OK, dann noch nach “Belichtung Foto” eingegrenzt. Immer noch knapp eine Million.

Dann habe ich mir die ersten paar Seiten angeschaut und festgestellt, dass diese Seiten die Informationen nur oberflächlich oder zu technisch erklären.

Hier mal ein Beispiel aus Wikipedia:

Belichtung nennt man in der Fotografie das Einwirken der unterschiedlichen Lichtverteilung eines Aufnahmegegenstandes auf dem fotografischen Film oder Sensor, um ein reproduzierbares Bild zu erhalten. Sie wird beeinflusst von der Lichtempfindlichkeit des Films oder Sensors, der Blende des Objektivs sowie der Verschlusszeit der Kamera und ist ausgewogen, wenn Lichter und Schatten im Bild noch kopierbare Zeichnung aufweisen.

Aha. Alles klar. Oder doch nicht? Also ich bin nun genauso schlau wie vorher auch 😃

Nächste Anlaufstelle wäre wahrscheinlich YouTube. Hier kann man aber wirklich Stunden damit verbringen sich das Wissen anzueignen.

Hier ist allerdings dasselbe Spiel. Es gibt kein Video, in dem alle Informationen Preis gegeben werden. Man muss sich aus vielen einzelnen Videos das Wissen herauspicken.

Allerdings ist das auch der Natur von YouTube geschuldet. Die “Konsumenten” wollen kurze prägnante Videos und keine stundenlangen Monologe.

Ein zweiter Grund, den ich mir vorstellen könnte, wäre: Die YouTuber die das nötige Wissen haben, wollen dieses Wissen nicht einfach so kostenlos teilen. Die meisten verkaufen schließlich auch Workshops, von denen Sie leben wollen bzw. müssen. Die gestreuten Häppchen sollen Autorität schaffen und Lust auf mehr sorgen.

Ich selbst, habe echt lange Zeit darüber nachgedacht, ob und wie ich einen Beitrag zu diesem Thema schreiben soll.

Letzten Endes habe ich mich doch dafür entschieden es zu machen, weil es einfach Grundlagen sind, die jeder (angehende) Fotograf kennen muss.

OK, fangen wir an 😃

Lichtwert als Maßeinheit für die Belichtung

Korrekterweise wird die Belichtung als Lichtwert (LW) ausgedrückt. Im Fachjargon hat sich jedoch das Wort “Blendenschritt” eingebürgert, bzw. einfach nur “Blende”.

Der Begriff Blende, darf in diesem Zusammenhang jedoch nicht mit der Blendenöffnung am Objektiv verwechselt werden, auch wenn es da ein Zusammenhang gibt.

Im Englischen ist es übrigens auch nicht viel besser, aber eindeutiger. Der Lichtwert heißt da exposure value, eine Blende f-stop und die Blende aperture.

Bei mir hat es sich übrigens auch mittlerweile eingeschlichen, dass ich von Blende rede, wenn ich den Lichtwert meine.

Eine Blende verdoppelt oder halbiert die Lichtmenge

Es ist durchaus sehr wichtig zu verstehen, dass eine Blende mehr oder weniger, gleich doppelt oder halb soviel Licht auf den Sensor lässt.

Am einfachsten ist das am Beispiel der Belichtungszeit zu verstehen.

Der Unterschied zwischen einer und einer halben Sekunde beträgt genau eine Blende (LW). Halbiert man weiter die Belichtungszeit auf ein Viertel, ist der Unterschied immer noch eine Blende. Aber von einer auf ein Viertel sind bereits 2 Blenden.

Übrigens ist der Unterschied zwischen 15 und 30 Sekunden ebenfalls nur eine Blende. Es versteht sich allerdings von selbst, dass der Zeitunterschied im Vergleich zum oberen Beispiel nicht identisch ist, wohl aber der effektive Lichtwert.

Wie du mit dem Licht spielen kannst

Hmm, da haste wohl ‘ne Blende überbelichtet!

Heißt nichts anderes, als, dass der Fotograf an dieser Stelle zu viel Licht auf seinen Sensor gelassen hat. Es hat nichts mit der Objektiv-Pupille an sich zu tun.

Um den Lichtwert zu steuern, hat der Fotograf ganze drei Werkzeuge zur Hand bekommen. Nämlich die Blende, die ISO und die Verschlusszeit.

Jeder volle Schritt verändert den Lichtwert also um 1 und verdoppelt oder halbiert die Lichtmenge.

Das Gute daran ist jedoch, erhöht man einen Wert, kann/muss man mindestens einen der anderen Werte verringern um das Bild auf die gleiche Art und Weise zu belichten.

Probiere es mal aus:

Fotografiere ein Bild z.B. im P-Modus und schau dir die Werte an, die dir die Kamera vorgeschlagen hat.

Beispiel: f/2.8 – 1/60 – ISO 100

Jetzt stellst du vielleicht fest, dass dein Foto etwas unscharf ist, weil sowohl die Blende zu offen ist, als auch die Belichtungszeit zu kurz. Du entscheidest dich dafür, beide Werte zu erhöhen. Der einzige Wert, den du dann noch zum Kompensieren zur Verfügung hast, ist der ISO.

Also entstehen daraus folgende Einstellungen: f/4 – 1/125 – ISO 400

Und jetzt noch einmal konkreter

Ich finde diese komischen Werte irgendwie ein wenig kompliziert und man muss sehr häufig um die Ecke denken.

Viel einfacher wäre es doch, wenn man die einzelnen Werte einfach durchnummerieren würde, oder?

Wenn der Lichtwert einmal gefunden wurde, kann man komplett frei entscheiden, welche der drei Parameter man wählt um die richtige Beleuchtung und den gewünschten Effekt zu erreichen.

Schau dir mal die folgende Tabelle an:

ISO100 f/1 f/1.4 f/2 f/2.8 f/4 f/5.6 f/8 f/11 f/16 f/22 f/32
2s -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9
1s 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
1/2s 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
1/4s 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
1/8s 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
1/15s 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14
1/30s 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
1/60s 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
1/125s 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
1/250s 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18
1/500s 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19
1/1000s 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
1/2000s 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21

So, wie ist diese Tabelle nun zu interpretieren?

Zunächst einmal, diese Tabelle bezieht sich auf ISO100. Um die Belichtung für andere ISO Werte zu erhalten, musst du von den jeweiligen Werten entsprechend 1 (ISO200), 2 (ISO400) oder auch 3 (ISO800) abziehen.

Um bei dem oberen Beispiel zu bleiben.

Schaut man in die Tabelle für die gegebenen Einstellungen, sieht man dann einen Lichtwert von 9. Jetzt kannst du diagonal der 9 entlang gehen und die gewünschten Einstellungen wählen.

Wie du sehen kannst, kannst du jetzt mit den Einstellungen herumspielen und bekommst immer wieder die gleiche Belichtung.

Bitte beachte auch: Je größer der Lichtwert ist, desto dunkler wird das Bild. Je kleiner, desto heller.

Das Zusammenspiel im Belichtungsdreieck

So, wir haben (hoffentlich 😃) gelernt, dass man das Licht entweder mit der Blende, der ISO oder der Zeit steuern kann.

Jedoch sollte man die Werte nicht komplett wahllos ändern, ohne genau zu wissen, welche Auswirkungen die Parameter auf das fertige Bild haben können.

Ferner ist es auch komplett Situationsabhängig.

Ein Sportfotograf wird wahrscheinlich kurze Belichtungszeiten mit einer entsprechend hohen ISO verwenden. Während der Portraitfotograf wahrscheinlich bei ISO100 bleiben möchte und dafür länger belichten muss.

Die jeweiligen Effekte, Gestaltungsmittel oder wie auch immer, erfährst du im folgenden.

Die Blende als Gestaltungsmittel Nr. 1

Die Blende bezeichnet eine mechanische Vorrichtung im Objektiv, über die sich die Größe der Öffnung am Objektiv steuern lässt. Es ist sozusagen die Objektiv-Pupille.

Jedes Objektiv besitzt Lamellen, die während des Auslösens ein Stück weit zugemacht werden, falls nicht die offenste Blende gewählt wurde.

Auf dem folgenden Bild kannst du (hoffentlich) sehen, wie die Blende geschlossen wurde.

Vergleich zwischen offener und geschlossener Blende

So interpretierst du die Blendenreihe richtig

Wenn du auf deine Kamera schaust, siehst du im Display ähnliche Werte wie z. B.

1.0 – 1.4 – 2.0 – 2.8 – 4.0 – 5.6 – 8 – 11 – 16 – 22 – 32

Nun sieht das nicht gerade aus, als ob da irgendetwas verdoppelt oder halbiert wird. Das liegt daran, dass hier der Faktor nicht 2 ist, sondern die Wurzel aus 2. Also sowas wie 1,4142.

Nichtsdestotrotz ist der Unterschied immer eine Blende (LW). (Und spätestens jetzt merkst du wahrscheinlich, wie verwirrend das sein kann.)

Bestimmt vermisst du aber solche Werte wie 1.8 oder auch 3.5. Diese Zwischenwerte hat man nur deswegen eingeführt, weil die vollen Blendenschritte einfach nur zu krass sind.

Schließlich fällt nur noch die Hälfte des Lichts auf den Sensor, wenn man die Blende schließt. Und manchmal möchte man wirklich nur noch ein wenig mehr bzw. weniger Licht auf dem Sensor haben.

Und auch hier gilt, jeder Blendenschritt entspricht einem Lichtwert. Jeder Lichtwert halbiert (oder halbiert) das einfallende Licht.

Also hat man zwischen Blende f/2 und f/4 nur noch ein Viertel des Lichts (zwei volle Blendenstufen). Übrigens ist der Unterschied zwischen f/16 und f/32 genauso groß, wie zwischen f/2.0 und f/4.0. Nämlich zwei volle Blendenstufen.

Kleine Zahl heißt große Öffnung

Manche Leute schreiben f/1.4, andere 1:1.4 und wieder auch mal 1/1.4.

Was hiervon ist richtig?

Alles so ein wenig. Den der Slash (Schrägstrich) signalisiert ein Bruch. Der Doppelpunkt auch.

Ich möchte jetzt nicht unbedingt zu tief ins Detail gehen. Wenn es dich interessiert, kannst du den dazugehörigen Wikipedia Artikel durchlesen.

Kurz gesagt, sagt es nur aus, wie groß die Pupille im Verhältnis zum Objektiv ist (also von der vorderen bis zur hinteren Linse).

Haben wir beispielsweise ein 400mm Objektiv und eine Blende f/4, so muss das Objektiv bereits einen Linsendurchmesser von mindestens 100mm haben. Bei 24mm sind es nur noch lächerliche 6mm.

Es gibt schon ein Grund, warum Canon das 50mm Objektiv in 3 Varianten hat. Während das f/1.8 Objektiv lediglich eine 28mm Linse benötigt, braucht das f/1.2 Objektiv bereits 42mm.

Es gab mal von Canon ein f/1.0 Objektiv (nur noch gebraucht bei eBay für rund 4500€). Von Leica gibt es übrigens ein 50mm f/0.95 für über 10.000€ zu kaufen.

Übrigens, der Lichtunterschied zwischen dem f/1.8 und dem f/1.2 sind zwei Drittel Blenden. Der Preisunterschied liegt aber bei über 4 Blendenstufen (also mehr als das achtfache).

Ob sich das lohnt? Das muss jeder für sich selber entscheiden 😃

Die Blende als Gestaltungsmittel

Lichtstarke Objektive (also alles so ab f/2.8) lassen sehr viel Licht auf den Sensor regnen. Da freut sich jedes Bild 😃

Man kann die ISO schön auf 100 lassen und richtig kurz belichten, um keine Verwacklung zu riskieren 😃

Durch die kleine Blende wird jedoch auch die Schärfeebene reduziert. Im Extremfall wirklich nur noch auf ein Paar wenige Millimeter. Dieser Extremfall kann übrigens schneller eintreten, als dir lieb ist.

Der Fachmann spricht hier auch von Schärfentiefe.

Die Blendenzahl ist übrigens nicht der einzige Wert, der die Schärfentiefe beeinflusst. Hinzu kommen noch die Entfernung zum Motiv und die verwendete Brennweite.

Allerdings ist diese geringe Schärfentiefe häufig genau das, was ein professionelles Ausmacht.

Schärfentiefe oder Tiefenschärfe?

Was gar nicht geht, ist die Tiefenunschärfe 😃

Gemeint ist aber eigentlich dasselbe. Was ist aber richtig?

Google findet zum Thema Tiefenschärfe 630 Tausend Ergebnisse, während es zu Schärfentiefe “nur” 563 Tausend gibt.

Wikipedia kennt nur Schärfentiefe und leitet von Tiefenschärfe weiter.

Der Duden leitet von Tiefenschärfe zu Schärfentiefe weiter.

Und was ist jetzt richtig?

Einmal ganz logisch überlegen. Was beschreibt der Begriff Tiefenschärfe? Die Schärfe der Tiefe. Und die Schärfentiefe? Die Tiefe der Schärfe. Hat die Schärfe eine Tiefe? Ich glaube kaum, wohl aber gibt es die Tiefe der Schärfe. Also ist demnach Schärfentiefe korrekt.

Die Schärfentiefe kannst du auch als eine Ebene betrachten, die Scharf abgebildet wird. Alles davor und dahinter verschwimmt so langsam in Unschärfe. Die Schärfeebene liegt übrigens immer parallel zum Sensor.

Wie du die Schärfentiefe bewusst einsetzen kannst

Die erste Frage lautet: wozu?

Ganz einfach: Um das Motiv “freizustellen”. Bedeutet, dass sich das Motiv vom Hintergrund abhebt. Das Hauptmotiv wird scharf abgebildet. Sowohl der Vorder- als auch der Hintergrund verlaufen in der Unschärfe.

Wenn du ein Bild betrachtest, wandert dein Blick sofort auf die schärfste Stelle im Bild. Das sollte dein Motiv sein. Es muss noch nicht einmal eine Person sein. Auch wenn eine Person auf dem Bild zu sehen ist. Diese ist dann nur noch “Beiwerk”.

Schau dir mal dieses Bild an. Wohin schaust du zuerst?

Blumenstrauß im Fokus bei zwei Personen

Hauptmotiv ist hier tatsächlich der Blumenstrauß und nicht das Hochzeitspaar. Wäre das Paar scharf, wäre die Kernaussage des Bildes eine komplett andere.

Hast du schon einmal mit deinem Handy ein Portraitfoto gemacht? Am besten noch Ganzkörperportrait. Der komplette Hintergrund ist scharf, oder? Es ist relativ schwer einen geeigneten “Einstiegspunkt” zu finden.

Es gibt drei Möglichkeiten, um die Schärfentiefe zu variieren:

  1. Den Abstand zwischen Sensor und Motiv (je näher, desto kleiner die Schärfentiefe)
  2. Die verwendete Brennweite (je größer/länger, desto weiter bist du weg, desto kleiner ist die Schärfentiefe)
  3. Die verwendete Blende (je offener, desto kleiner die Schärfentiefe)

In der Praxis ist man jedoch mit der Wahl der Brennweite etwas beschränkt. Entweder ist der Platz nicht gegeben oder man möchte auch nicht unendlich weit weg vom Model stehen. Schließlich muss man sich auch noch vernünftig unterhalten können.

Es bleibt also nur noch die offene Blende.

Das ist übrigens der wahre Grund, warum die Portraitfotografen so viel Geld für lichtstarke Objektive ausgeben und z.B. das 50mm f/1.2L einem 24-105 1:4L vorziehen.

Der Bokeh-Effekt

Leider werden öfter der unscharfe Hintergrund und das Bokeh miteinander verwechselt.

Bokeh am Weihnachtsbaum

Das Bokeh bezeichnet kleine, runde Lichtreflexe im Vorder- oder Hintergrund. Dies kommt unmittelbar zustande, wenn der Hintergrund unscharf ist. Allerdings hat nicht jeder unscharfe Hintergrund ein Bokeh.

Den Hintergrund kannst du ebenfalls über Entfernungen unscharf bekommen. Je größer der Abstand zwischen deinem Motiv und Hintergrund im Verhältnis zwischen Motiv und Sensor ist, desto unschärfer wird das Bild.

Es kommt aber auch auf die verwendete Brennweite an. Selbst wenn sich dein Motiv nicht bewegt, du deine Blende nicht änderst aber voll raus zoomst, wird dein Hintergrund schärfer.

Wenn du jedoch irgendwas um die 100mm verwendest und der Hintergrund weit genug entfernt ist, ist dein Hintergrund nur noch “Matsche”. Wenn dann noch ein paar Lichtreflexe als Bokeh hinzukommen, ein Traum 😃

Gibt es konkrete Tipps für die Wahl der Blenden?

Keine genauen Zahlen aber gibt es da ein paar Richtwerte:

  • Wenn auf dem Bild ein zentrales Element das Motiv ist (z. B. eine Person), würde ich eine offene Blende empfehlen. Dabei spielt die Tageszeit keine Rolle.
  • Für ein Gruppenfoto kann man bei Tage die Blende etwas schließen. Am Abend versuchen das Trüppchen in eine Schärfeebene zu kriegen und dann etwas offener zu belichten. Meistens wird das aber nichts und irgendjemand ist unscharf. Daher ruhig ein paar mehr Fotos machen.
  • Für Landschaft, ganz klar Blende schließen. Lichtwert über Verschlusszeit steuern. Ein Stativ ist von Vorteil.
  • Tiere gehören zu der Kategorie der Porträts (Fotografisch gesehen, nicht dass ich noch Hass-Emails bekomme 😃). Daher auch hier die Blende öffnen. Es sei denn, es ist ein Rudel. Dann wieder schließen.

Es gibt viele Fotografen, die nur im Av-Modus mit Blende f/2.8, (bzw. immer die maximal offene Blende) arbeiten. Einfach mit der Begründung:

Wozu gebe ich den so viel Geld aus, wenn ich das nicht nutzen soll?

Das ist auch komplett legitim! Vorausgesetzt man kann mit einer Offenblende umgehen und macht das nicht nur “weil es geht”.

Wenn der Fokus nicht sitzen sollte, ist nämlich das komplette Foto ruiniert.

Wenn du noch nicht ganz sicher im Umgang mit offenen Blenden bist, dann schließe die Blende zunächst ruhig um 1-2 Stufen. Mit der Zeit wirst du sicherer und kannst auch die Blende weiter öffnen. Unscharfe Bilder werden schließlich nicht sehr gern gesehen 😃

Hausaufgabe zur Blende

Positioniere Deine Kamera auf einem Stativ vor einem geöffneten Buch und richte es schräg aus. So 30° sollten gut sein. Fotografiere die komplette Blendenreihe einmal durch.

Im zweiten Versuch kannst du ein statisches Motiv etwa 1-2 Meter mit ausreichendem Abstand zum Hintergrund (am besten draußen) vor die Kamera positionieren und ebenfalls die Blendenreihe durch fotografieren.

Vergleiche die Ergebnisse und achte sowohl auf das Motiv als auch auf den Hintergrund.

Wähle bei diesem Versuch den Av-Modus (Zeitautomatik/Blendenvorwahl) und variiere nur die Blende.

Die Belichtungszeit steuert die Schärfe

Kein anderes Element ist für die unmittelbare Schärfe eines Bildes so verantwortlich, wie die Belichtungszeit, oft auch “Verschlusszeit”, oder einfach nur “Zeit” genannt.

Diese Zahl sagt eigentlich nur aus, wie lange das Licht auf unseren Sensor fällt. Nicht mehr und nicht weniger.

Eine lange Belichtungszeit über Serienbildfunktion kompensieren

Was kannst du tun, wenn folgende Situation eintrifft:

  • Die Blende ist maximal geöffnet.
  • Die ISO ist bereits am Anschlag.
  • Du hast kein Stativ oder sonst etwas dabei.
  • Der Blitz ist keine Option.

Und du hast trotzdem noch viel zu wenig Licht. Deine Fotos sind zu dunkel. Unterbelichtet.

Zunächst kannst du versuchen, um zwei Stufen zu unterbelichten und später noch einmal in Lightroom zu korrigieren. Es kann aber schnell zum Farbrauschen kommen.

Viel effektiver ist jedoch tatsächlich die Serienbildfunktion deiner Kamera.

  • Halte die Kamera so ruhig wie möglich.
  • Ausatmen und “Luft anhalten” (also nicht wieder Einatmen)
  • Auslöser durchdrücken und ganz ruhig gedrückt halten.

Wenn die Belichtungszeit jetzt nicht wirklich unterirdisch war, wird es dir so gelingen, aus ca. 20–50 Serienbildern ein scharfes Foto zu erwischen.

Vergiss bitte nicht, nach der Aufnahme, wieder einzuatmen 😃

Sollte doch kein Weg dran vorbeiführen, kannst du auch noch den internen Blitz verwenden. Versuche die Blitzleistung aber auf ein Minimum zu reduzieren, da das Foto sonst etwas unnatürlich aussehen kann.

Verwacklungsunschärfe ist ein Totalschaden

Eine Verwacklung ist kein Effekt, sondern Mist und wird auch nicht als stilistisches Mittel verwendet.

Wählt man (oder die Kamera) eine zu kurze Belichtungszeit, so besteht immer die Gefahr ein Bild zu “verwackeln”. Bei einem verwackelten Bild, hat man kein einziges scharfes Element mehr auf dem Bild. Das Bild ist zu 99% für die Tonne. In 1% der Fälle möchte man das aber tatsächlich so haben.

Das folgende Bild zeigt zwar eine sehr schöne Situation, jedoch wurde es 1/6 Sekunden belichtet. Selbst bei einem guten Bildstabilisator (war an), ist diese Zeit für 55mm einfach viel zu lang.

Bei einer langen Belichtungszeit, kann das Bild verwackeln

Als “Faustformel” sollte man sich grob an der gewählten Brennweite orientieren.

Bei 50mm Brennweite sollte man 1/60s nicht unterschreiten.

Bei 400mm läuft man bereits in die Gefahr bei 1/320s zu verwackeln.

Kommt ein Bildstabilisator mit ins Spiel, können mal gut und gerne 2 oder sogar 3 Blenden kompensiert werden.

Arbeitet man vom Stativ aus, dann ist diese Regel sowieso zu ignorieren.

Bewegungsunschärfe kann ein Totalschaden sein

Auch hier kann es entweder gewollt sein oder auch nicht.

Wenn man Bewegung und/oder Dynamik zeigen möchte, kannst du gut und gerne etwas länger belichten. Dabei kommt es nicht auf die Schärfe an. Trotzdem sollte wenigstens ein Element auf dem Bild scharf sein.

Folgende Situation: Ein Hund freut sich, dass sein Herrchen nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt und rennt voller Freude auf ihn zu um ihn zu begrüßen.

Belichtungszeit kann Bewegung ins Bild bringen

Ein anderes Beispiel wäre ein Autorennen, bei dem das Auto gestochen scharf abgebildet wird, jedoch der Hintergrund in einer reinen Bewegungsunschärfe (nicht zu verwechseln mit der Hintergrundunschärfe) verläuft.

Längere Belichtungszeiten suggeriert Geschwindigkeit

Länge Belichtungszeiten sind etwas schwer zu beherrschen.

Solche Aufnahmen werden nicht immer auf Anhieb gelingen. Mit ausreichend Übung entstehen jedoch grandiose Bilder.

Langzeitbelichtung lässt Objekte verschwinden

Richtig cool sind Langzeitbelichtungen. Dazu ist aber ein stabiles Stativ zwingend erforderlich.

Schau dir noch einmal den Hund an. Teile der Pfoten sind quasi verschwunden.

Was würde passieren, wenn man länger belichten würde?

Richtig: Der Hund wäre ganz weg.

Dieses Prinzip kann man sich zunutze machen, um einen belebten Platz menschenleer zu machen. Die Belichtungszeit muss einfach nur lang genug sein.

Aber auch Spielereien mit dem Licht lassen sich mit einer längeren Belichtungszeit wunderbar realisieren.

Eine Langzeitbelichtung lässt Objekte verschwinden

Auf diesem Bild einer deutschen Autobahn, ist kein einziges Auto zu sehen. Dieses Bild habe ich 20 Sekunden lang auf einem Stativ bei Abenddämmerung belichtet.

Achte aber bitte darauf, dass dein Bildstabilisator (falls vorhanden) ausgeschaltet werden muss, da ansonsten wieder Verwacklungsunschärfe entstehen kann.

Eine kurze Belichtungszeit friert das Motiv ein

Quasi genau das Gegenteil von dem oberen. Das Motiv wird eingefroren. Es gibt keinerlei Bewegung im Bild.

Ein typisches Bild ist beispielsweise in Verbindung mit Wasser oder sich schnell bewegenden Motiven. So werden kleine Tiere, Vögel oder auch Flugzeuge eingefroren und jegliche Unschärfen vermieden.

Eine kurze Belichtungszeit friert das Motiv ein

In der Porträtfotografie setzt man in der Regel Belichtungszeiten ein, die an der unteren Grenze des eingefrorenen Motivs liegen.

Ein typischer Wert hierbei ist so bei 1/160s. Je kürzer, desto besser 😃

Hausaufgabe

Stelle deine Kamera in den TV-Modus (Zeitvorwahl) und variiere wirklich nur die Belichtungszeit.

Wähle zunächst ein statisches Motiv und mache bei einer mittleren Brennweite einige Bilder aus der Hand. Verändere nur deine Verschlusszeit. Am besten legst du bei 1/250 los und gehst langsam in Richtung 1s.

Im nächsten Schritt wählst du ein bewegendes Motiv (Pendel, Wasserfall, Ventilenti, vorbeifahrende Autos, egal) und stellst deine Kamera auf ein Stativ. Auch hier machst du mehrere Belichtungen, so im Bereich 1/60s bis vielleicht 15s. Diesen Test solltest du vielleicht nicht draußen bei Tage machen 😃

Vergleiche anschließend deine Aufnahmen miteinander. Schaue auch, welche Zeiten du noch vernünftig aus der Hand halten kannst.

Diese Erfahrung ist essenziell wichtig. Jedes Objektiv und jedes Motiv ist da übrigens anders.

Selbst wenn du bei einer Landschaft noch 1/25s bei 50mm ruhig halten kannst, wirst du bei Personen andere Erfahrungen machen.

Die ISO steuert das Bildrauschen

Wenn es um die ISO geht, ist bei den Fotografen meistens der Streit vorprogrammiert.

Das eine Lager behauptet, man müsse mit einem kleinem ISO Wert fotografieren, dem anderen Lager ist der ISO egal.

Welche ISO Werte gibt es überhaupt?

Bei den meisten aktuellen Kameras kannst du folgendes einstellen:

100 – 200 – 400 – 800 – 1600 – 3200 – 6400 – 12800 – (25600 – 51200 …)

Wie du erkennen kannst, verdoppelt sich immer der Wert. Also bekommt man bei ISO800 genau 8 mal so viel Licht auf den Sensor als bei ISO100.

Soweit so logisch.

Allerdings ist der Unterschied zwischen ISO25600 und ISO51200 genauso groß, wie zwischen ISO100 und ISO200. Nämlich genau eine Blende (1 Lichtwert), allerdings verdoppelt sich auch das rauschen.

Und was ist die ISO überhaupt?

Die ISO sagt eigentlich nur aus, wie lichtempfindlich der Sensor für das aktuelle Foto sein soll.

Also ist die Kamera bzw. der Sensor unmittelbar für das Bildrauschen verantwortlich.

Probiere mal folgendes aus:

Gehe an deine Stereoanlage und drehe den Ton komplett auf (bitte vorher die Musik ausmachen).

Du wirst einen komischen Ton hören, es rauscht.

Ein ähnliches Rauschen kann auch mit entsprechend hoher ISO auch auf einem Bild entstehen.

Jedoch ist es kein Ton, sondern so eine Art kriseln. Quasi schon ein Bildfehler.

Man unterscheidet noch zwischen dem Farbrauschen und dem sogenannten Luminanzrauschen.

Wobei das Luminanzrauschen noch OK ist, sollte man Farbrauschen generell vermeiden, da die Farben dadurch stark verfälscht werden.

Warum das Bildrauschen kein Weltuntergang ist

Nehmen wir als Beispiel dieses Bild hier.

Nicht erkennbares Bildrauschen

Die Eckdaten hierfür sind:

336mm Brennweite – f/5.6 – 1/250s ISO3200.

Das verwendete Objektiv war das relativ Lichtschwache 100-400mm 1:4.5-5.6L.

Bei Objektiven, die keine durchgehende Blende haben, blende ich immer auf die minimale Offenblende ab. In diesem Fall war es halt, Blende 5.6.

Mit den anderen Werten war ich ebenfalls am Maximum. Glücklicherweise hat das Objektiv ein Bildstabilisator, sodass ich mit der Belichtungszeit etwas kürzer wählen konnte. So blieb eigentlich nur noch die ISO, die ich nach oben korrigieren konnte.

Die Eltern haben zwar die Bilder in voller Auflösung erhalten (6000×4000px), haben jedoch vom Bildrauschen nichts mitbekommen.

Warum auch? Es ist der Augenblick, der zählt. Nicht irgendwelches Bildrauschen. Wenn die Eltern auf dieses Bild schauen, erinnern sie sich an diesen Moment.

Und ja, es gibt definitiv ein Bildrauschen im Bild. Hier entsprechend ein 100% Ausschnitt:

Bildrauschen bei 100% Ausschnitt

Wie du sehen kannst, ist das Rauschen sehr deutlich zu sehen.

Wie viel Rauschen kann ein Bild vertragen?

Das kommt immer auf das Bild an.

Schau dir mal das folgende Bild an und überlege, wie hoch ich die ISO gejagt habe?

Nager bei 12800 ISO

Dieses Bild ist draußen bei ISO 12800 entstanden. Es war ein bewölkter Tag und ich war mit einem 55-250 f/5.6 Tele-Objektiv unterwegs.

Übrigens (nicht dass es bei diesem Bild nötig wäre, aber) ein zu verrauschtes Bild kannst du noch “retten” in dem du es in Schwarz / Weiß umwandelst.

Der Grund für die Umwandlung war einfach, dass mir das Bild ein wenig Langweilig erschien. Es war von sich aus schon fast ein Schwarz / Weiß Bild. Durch die Umwandlung habe ich mehr Kontrast ins Bild gebracht.

Gibt es Alternativen zum Bildrauschen?

Nehmen wir mal das obere Beispiel von der Taufe.

Gehen wir doch mal alle Möglichkeiten durch um mehr Licht auf den Sensor zu bekommen.

Die Blende kann ich nicht noch weiter schließen. Das ließ das aktuelle Objektiv nicht zu. Also fällt das schon mal weg.

Um die 5 Blendenstufen zu kompensieren, müsste ich bei dieser Brennweite mit einer Belichtungszeit von 1/8s belichten.

Selbst wenn ich das ruhig halten könnte, ist diese Belichtungszeit bei Personen aufgrund der Gefahr von Bewegungsunschärfe dringendst abzuraten.

Auf diese Art und Weise zu Arbeiten ist so, wie in der Stadt mit 100km/h zu fahren.

Und ja, teilweise kann es sogar mehr kosten als so ein Bußgeldbescheid. Nämlich dann, wenn du keine Fotos liefern kannst, weil alle Bilder unscharf sind.

Und ganz ehrlich. Dieses Rauschen sehen eigentlich nur die Fotografen. Und auch nur dann, wenn sie auf 100% rein zoomen. Ein “normaler” Mensch sieht das Bildrauschen noch nicht einmal. Die Unschärfe ist jedoch meist sofort erkennbar. Selbst für Laien.

Hausaufgabe

Stelle deine Kamera auf ein Stativ (oder fest auf den Tisch) und fotografiere dich durch deine ISO Palette durch. Fange dabei bei ISO 100 an und gehe soweit, solange es deine Kamera zulässt (z. B. ISO12800).

Schaue dir die Bilder jetzt auf deinem Rechner an und suche dir für dich den passenden ISO-Bereich aus, mit der du auch leben kannst.

Wähle hierbei den P-Modus (Programmautomatik) und variiere nur die ISO.

Was ich von ISO halte und was ich empfehlen würde

Eins vorweg: Ich habe lieber ein (be)rauschendes Bild, als ein verwackeltes.

Durch die Wahl einer höheren ISO, habe ich mehr Reserven bei der Belichtungszeit. Ich riskiere nicht so schnell eine Bewegungs- und Verwacklungsunschärfe.

Selbst wenn man mit einem Blitz arbeitet, kann man ruhig ISO400 verwenden. Du siehst den Unterschied echt nicht, jedoch sind deine Blitze viel schneller einsatzbereit und du kannst schneller auslösen. Probiere es einfach mal aus. Deine Blitze werden es dir danken.

Fazit – Belichtung

Wie du sehen kannst, setzt sich das Belichtungsdreieck über genau 3 Parametern zusammen. Deswegen auch das Wort: Dreieck.

Wenn du die “Hausaufgaben” aus den jeweiligen Bereichen zum Thema Blende, ISO und Zeit gemacht hast (oder noch machen wirst) wirst du jeweils immer verschiedene Parameter für ein und dasselbe Foto haben.

Das Foto ist jedoch, allein was die Belichtung angeht, immer gleich. Jedoch sind die Auswirkungen immer andere. Versuche aus dem neuen Wissen etwas heraus zu picken und auf deine Fotografie zu adaptieren.

Hat dir dieser Artikel gefallen? Schreib mir, ob du noch mehr davon lesen möchtest oder den Blog deswegen nie wieder besuchen wirst 😃

Denk auch daran, diesen Beitrag in deinen sozialen Kanälen zu teilen 😉

Was denkst du darüber?

Ups, da ist noch ein Fehler! Bitte korrigiere die markierten Felder.
Danke! Dein Beitrag bedarf noch einer Moderation. Ich schalte ihn bald frei.