Blende, ISO, Belichtungszeit - Die Belichtung einfach und konkret erklärt

Seit es die Fotografie gibt, gibt es auch die Frage nach der korrekten Belichtung.

Früher oder später, wirst du dir bestimmt auch die Frage stellen, warum dein Foto nicht wirklich so geworden ist, wie du es gerne hättest. Wenn du dich das ein wenig öfter fragen wirst, befragst du wahrscheinlich eine Suchmaschine und versuchst dich in das Thema einzulesen.

Ich habe mal das mal gemacht und bei Google das Stichwort “Belichtung” eingegeben. Mir wurden direkt über 2 Millionen Seiten vorgeschlagen. Puh, das ist viel.

OK, dann noch nach “Belichtung Foto” eingegrenzt. Immer noch knapp eine Million.

Dann habe ich mir die ersten paar Seiten angeschaut und festgestellt, dass diese Seiten die Informationen nur oberflächlich oder zu technisch erklären.

Hier mal ein Beispiel aus Wikipedia:

Belichtung nennt man in der Fotografie das Einwirken der unterschiedlichen Lichtverteilung eines Aufnahmegegenstandes auf dem fotografischen Film oder Sensor, um ein reproduzierbares Bild zu erhalten. Sie wird beeinflusst von der Lichtempfindlichkeit des Films oder Sensors, der Blende des Objektivs sowie der Verschlusszeit der Kamera und ist ausgewogen, wenn Lichter und Schatten im Bild noch kopierbare Zeichnung aufweisen.

Aha. Alles klar. Oder doch nicht? Also ich bin nun genauso schlau wie vorher auch 😃

Nächste Anlaufstelle wäre wahrscheinlich YouTube. Hier kann man aber wirklich Stunden damit verbringen sich das Wissen anzueignen.

Hier ist allerdings dasselbe Spiel. Es gibt kein Video, in dem alle Informationen Preis gegeben werden. Man muss sich aus vielen einzelnen Videos das Wissen herauspicken.

Allerdings ist das auch der Natur von YouTube geschuldet. Die “Konsumenten” wollen kurze prägnante Videos und keine stundenlangen Monologe.

Ein zweiter Grund, den ich mir vorstellen könnte, wäre: Die YouTuber die das nötige Wissen haben, wollen dieses Wissen nicht einfach so kostenlos teilen. Die meisten verkaufen schließlich auch Workshops, von denen Sie leben wollen bzw. müssen. Die gestreuten Häppchen sollen Autorität schaffen und Lust auf mehr sorgen.

Ich selbst, habe echt lange Zeit darüber nachgedacht, ob und wie ich einen Beitrag zu diesem Thema schreiben soll.

Letzten Endes habe ich mich doch dafür entschieden es zu machen, weil es einfach Grundlagen sind, die jeder (angehende) Fotograf kennen muss.

OK, fangen wir an 😃

Lichtwert als Maßeinheit für die Belichtung

Korrekterweise wird die Belichtung als Lichtwert (LW) ausgedrückt. Im Fachjargon hat sich jedoch das Wort “Blendenschritt” eingebürgert, bzw. einfach nur “Blende”.

Der Begriff Blende, darf in diesem Zusammenhang jedoch nicht mit der Blendenöffnung am Objektiv verwechselt werden, auch wenn es da ein Zusammenhang gibt.

Im Englischen ist es übrigens auch nicht viel besser, aber eindeutiger. Der Lichtwert heißt da exposure value, eine Blende f-stop und die Blende aperture.

Bei mir hat es sich übrigens auch mittlerweile eingeschlichen, dass ich von Blende rede, wenn ich den Lichtwert meine.

Eine Blende verdoppelt oder halbiert die Lichtmenge

Es ist durchaus sehr wichtig zu verstehen, dass eine Blende mehr oder weniger, gleich doppelt oder halb soviel Licht auf den Sensor lässt.

Am einfachsten ist das am Beispiel der Belichtungszeit zu verstehen.

Der Unterschied zwischen einer und einer halben Sekunde beträgt genau eine Blende (LW). Halbiert man weiter die Belichtungszeit auf ein Viertel, ist der Unterschied immer noch eine Blende. Aber von einer auf ein Viertel sind bereits 2 Blenden.

Übrigens ist der Unterschied zwischen 15 und 30 Sekunden ebenfalls nur eine Blende. Es versteht sich allerdings von selbst, dass der Zeitunterschied im Vergleich zum oberen Beispiel nicht identisch ist, wohl aber der effektive Lichtwert.

Wie du mit dem Licht spielen kannst

Hmm, da haste wohl ‘ne Blende überbelichtet!

Heißt nichts anderes, als, dass der Fotograf an dieser Stelle zu viel Licht auf seinen Sensor gelassen hat. Es hat nichts mit der Objektiv-Pupille an sich zu tun.

Um den Lichtwert zu steuern, hat der Fotograf ganze drei Werkzeuge zur Hand bekommen. Nämlich die Blende, die ISO und die Verschlusszeit.

Jeder volle Schritt verändert den Lichtwert also um 1 und verdoppelt oder halbiert die Lichtmenge.

Das Gute daran ist jedoch, erhöht man einen Wert, kann/muss man mindestens einen der anderen Werte verringern um das Bild auf die gleiche Art und Weise zu belichten.

Probiere es mal aus:

Fotografiere ein Bild z.B. im P-Modus und schau dir die Werte an, die dir die Kamera vorgeschlagen hat.

Beispiel: f/2.8 – 1/60 – ISO 100

Jetzt stellst du vielleicht fest, dass dein Foto etwas unscharf ist, weil sowohl die Blende zu offen ist, als auch die Belichtungszeit zu kurz. Du entscheidest dich dafür, beide Werte zu erhöhen. Der einzige Wert, den du dann noch zum Kompensieren zur Verfügung hast, ist der ISO.

Also entstehen daraus folgende Einstellungen: f/4 – 1/125 – ISO 400

Und jetzt noch einmal konkreter

Ich finde diese komischen Werte irgendwie ein wenig kompliziert und man muss sehr häufig um die Ecke denken.

Viel einfacher wäre es doch, wenn man die einzelnen Werte einfach durchnummerieren würde, oder?

Wenn der Lichtwert einmal gefunden wurde, kann man komplett frei entscheiden, welche der drei Parameter man wählt um die richtige Beleuchtung und den gewünschten Effekt zu erreichen.

Schau dir mal die folgende Tabelle an:

ISO100 f/1 f/1.4 f/2 f/2.8 f/4 f/5.6 f/8 f/11 f/16 f/22 f/32
2s -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9
1s 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
1/2s 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
1/4s 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
1/8s 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
1/15s 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14
1/30s 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
1/60s 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
1/125s 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
1/250s 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18
1/500s 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19
1/1000s 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
1/2000s 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21

So, wie ist diese Tabelle nun zu interpretieren?

Zunächst einmal, diese Tabelle bezieht sich auf ISO100. Um die Belichtung für andere ISO Werte zu erhalten, musst du von den jeweiligen Werten entsprechend 1 (ISO200), 2 (ISO400) oder auch 3 (ISO800) abziehen.

Um bei dem oberen Beispiel zu bleiben.

Schaut man in die Tabelle für die gegebenen Einstellungen, sieht man dann einen Lichtwert von 9. Jetzt kannst du diagonal der 9 entlang gehen und die gewünschten Einstellungen wählen.

Wie du sehen kannst, kannst du jetzt mit den Einstellungen herumspielen und bekommst immer wieder die gleiche Belichtung.

Bitte beachte auch: Je größer der Lichtwert ist, desto dunkler wird das Bild. Je kleiner, desto heller.

Das Zusammenspiel im Belichtungsdreieck

So, wir haben (hoffentlich 😃) gelernt, dass man das Licht entweder mit der Blende, der ISO oder der Zeit steuern kann.

Jedoch sollte man die Werte nicht komplett wahllos ändern, ohne genau zu wissen, welche Auswirkungen die Parameter auf das fertige Bild haben können.

Ferner ist es auch komplett Situationsabhängig.

Ein Sportfotograf wird wahrscheinlich kurze Belichtungszeiten mit einer entsprechend hohen ISO verwenden. Während der Portraitfotograf wahrscheinlich bei ISO100 bleiben möchte und dafür länger belichten muss.

Die jeweiligen Effekte, Gestaltungsmittel oder wie auch immer, erfährst du im folgenden.

Die Blende als Gestaltungsmittel Nr. 1

Was ist die Blende? – Fotografie einfach erklärt

Die Belichtungszeit steuert die Schärfe

Kein anderes Element ist für die unmittelbare Schärfe eines Bildes so verantwortlich, wie die Belichtungszeit, oft auch “Verschlusszeit”, oder einfach nur “Zeit” genannt.

Diese Zahl sagt eigentlich nur aus, wie lange das Licht auf unseren Sensor fällt. Nicht mehr und nicht weniger.

Eine lange Belichtungszeit über Serienbildfunktion kompensieren

Was kannst du tun, wenn folgende Situation eintrifft:

  • Die Blende ist maximal geöffnet.
  • Die ISO ist bereits am Anschlag.
  • Du hast kein Stativ oder sonst etwas dabei.
  • Der Blitz ist keine Option.

Und du hast trotzdem noch viel zu wenig Licht. Deine Fotos sind zu dunkel. Unterbelichtet.

Zunächst kannst du versuchen, um zwei Stufen zu unterbelichten und später noch einmal in Lightroom zu korrigieren. Es kann aber schnell zum Farbrauschen kommen.

Viel effektiver ist jedoch tatsächlich die Serienbildfunktion deiner Kamera.

  • Halte die Kamera so ruhig wie möglich.
  • Ausatmen und “Luft anhalten” (also nicht wieder Einatmen)
  • Auslöser durchdrücken und ganz ruhig gedrückt halten.

Wenn die Belichtungszeit jetzt nicht wirklich unterirdisch war, wird es dir so gelingen, aus ca. 20–50 Serienbildern ein scharfes Foto zu erwischen.

Vergiss bitte nicht, nach der Aufnahme, wieder einzuatmen 😃

Sollte doch kein Weg dran vorbeiführen, kannst du auch noch den internen Blitz verwenden. Versuche die Blitzleistung aber auf ein Minimum zu reduzieren, da das Foto sonst etwas unnatürlich aussehen kann.

Verwacklungsunschärfe ist ein Totalschaden

Eine Verwacklung ist kein Effekt, sondern Mist und wird auch nicht als stilistisches Mittel verwendet.

Wählt man (oder die Kamera) eine zu kurze Belichtungszeit, so besteht immer die Gefahr ein Bild zu “verwackeln”. Bei einem verwackelten Bild, hat man kein einziges scharfes Element mehr auf dem Bild. Das Bild ist zu 99% für die Tonne. In 1% der Fälle möchte man das aber tatsächlich so haben.

Das folgende Bild zeigt zwar eine sehr schöne Situation, jedoch wurde es 1/6 Sekunden belichtet. Selbst bei einem guten Bildstabilisator (war an), ist diese Zeit für 55mm einfach viel zu lang.

Bei einer langen Belichtungszeit, kann das Bild verwackeln

Als “Faustformel” sollte man sich grob an der gewählten Brennweite orientieren.

Bei 50mm Brennweite sollte man 1/60s nicht unterschreiten.

Bei 400mm läuft man bereits in die Gefahr bei 1/320s zu verwackeln.

Kommt ein Bildstabilisator mit ins Spiel, können mal gut und gerne 2 oder sogar 3 Blenden kompensiert werden.

Arbeitet man vom Stativ aus, dann ist diese Regel sowieso zu ignorieren.

Bewegungsunschärfe kann ein Totalschaden sein

Auch hier kann es entweder gewollt sein oder auch nicht.

Wenn man Bewegung und/oder Dynamik zeigen möchte, kannst du gut und gerne etwas länger belichten. Dabei kommt es nicht auf die Schärfe an. Trotzdem sollte wenigstens ein Element auf dem Bild scharf sein.

Folgende Situation: Ein Hund freut sich, dass sein Herrchen nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt und rennt voller Freude auf ihn zu um ihn zu begrüßen.

Belichtungszeit kann Bewegung ins Bild bringen

Ein anderes Beispiel wäre ein Autorennen, bei dem das Auto gestochen scharf abgebildet wird, jedoch der Hintergrund in einer reinen Bewegungsunschärfe (nicht zu verwechseln mit der Hintergrundunschärfe) verläuft.

Längere Belichtungszeiten suggeriert Geschwindigkeit

Länge Belichtungszeiten sind etwas schwer zu beherrschen.

Solche Aufnahmen werden nicht immer auf Anhieb gelingen. Mit ausreichend Übung entstehen jedoch grandiose Bilder.

Langzeitbelichtung lässt Objekte verschwinden

Richtig cool sind Langzeitbelichtungen. Dazu ist aber ein stabiles Stativ zwingend erforderlich.

Schau dir noch einmal den Hund an. Teile der Pfoten sind quasi verschwunden.

Was würde passieren, wenn man länger belichten würde?

Richtig: Der Hund wäre ganz weg.

Dieses Prinzip kann man sich zunutze machen, um einen belebten Platz menschenleer zu machen. Die Belichtungszeit muss einfach nur lang genug sein.

Aber auch Spielereien mit dem Licht lassen sich mit einer längeren Belichtungszeit wunderbar realisieren.

Eine Langzeitbelichtung lässt Objekte verschwinden

Auf diesem Bild einer deutschen Autobahn, ist kein einziges Auto zu sehen. Dieses Bild habe ich 20 Sekunden lang auf einem Stativ bei Abenddämmerung belichtet.

Achte aber bitte darauf, dass dein Bildstabilisator (falls vorhanden) ausgeschaltet werden muss, da ansonsten wieder Verwacklungsunschärfe entstehen kann.

Eine kurze Belichtungszeit friert das Motiv ein

Quasi genau das Gegenteil von dem oberen. Das Motiv wird eingefroren. Es gibt keinerlei Bewegung im Bild.

Ein typisches Bild ist beispielsweise in Verbindung mit Wasser oder sich schnell bewegenden Motiven. So werden kleine Tiere, Vögel oder auch Flugzeuge eingefroren und jegliche Unschärfen vermieden.

Eine kurze Belichtungszeit friert das Motiv ein

In der Porträtfotografie setzt man in der Regel Belichtungszeiten ein, die an der unteren Grenze des eingefrorenen Motivs liegen.

Ein typischer Wert hierbei ist so bei 1/160s. Je kürzer, desto besser 😃

Hausaufgabe

Stelle deine Kamera in den TV-Modus (Zeitvorwahl) und variiere wirklich nur die Belichtungszeit.

Wähle zunächst ein statisches Motiv und mache bei einer mittleren Brennweite einige Bilder aus der Hand. Verändere nur deine Verschlusszeit. Am besten legst du bei 1/250 los und gehst langsam in Richtung 1s.

Im nächsten Schritt wählst du ein bewegendes Motiv (Pendel, Wasserfall, Ventilenti, vorbeifahrende Autos, egal) und stellst deine Kamera auf ein Stativ. Auch hier machst du mehrere Belichtungen, so im Bereich 1/60s bis vielleicht 15s. Diesen Test solltest du vielleicht nicht draußen bei Tage machen 😃

Vergleiche anschließend deine Aufnahmen miteinander. Schaue auch, welche Zeiten du noch vernünftig aus der Hand halten kannst.

Diese Erfahrung ist essenziell wichtig. Jedes Objektiv und jedes Motiv ist da übrigens anders.

Selbst wenn du bei einer Landschaft noch 1/25s bei 50mm ruhig halten kannst, wirst du bei Personen andere Erfahrungen machen.

Die ISO steuert das Bildrauschen

Was ist der ISO? – Fotografie einfach erklärt

Fazit – Belichtung

Wie du sehen kannst, setzt sich das Belichtungsdreieck über genau 3 Parametern zusammen. Deswegen auch das Wort: Dreieck.

Wenn du die “Hausaufgaben” aus den jeweiligen Bereichen zum Thema Blende, ISO und Zeit gemacht hast (oder noch machen wirst) wirst du jeweils immer verschiedene Parameter für ein und dasselbe Foto haben.

Das Foto ist jedoch, allein was die Belichtung angeht, immer gleich. Jedoch sind die Auswirkungen immer andere. Versuche aus dem neuen Wissen etwas heraus zu picken und auf deine Fotografie zu adaptieren.

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