Das größte Crop Faktor Missverständnis - verstehst du es auch falsch?

Wenn ich in diversen Foren, in Facebook Gruppen oder bei YouTube unterwegs bin, wird immer wieder die gleiche Aussage über den Crop Faktor gemacht.

Teilweise wird auch eine Kamera mit einem Crop Faktor als Amateur-Kamera belächelt.

Du hast es bestimmt auch schon einmal gehört:

Die Crop Faktor verlängert die Brennweite.

Das ist ja schön und gut. Und die meisten Leute glauben es auch. Doch leider ist diese Aussage schlichtweg:

Falsch

Der Crop Faktor verlängert die Brennweite

… nämlich nicht!

Das ist wohl der verbreitetste Irrtum, was den Crop Faktor angeht überhaupt. Und ich kann es auch langsam echt nicht mehr hören!

Nur, weil ich ein “leichtes” Weitwinkelobjektiv an einer Kamera mit dem Crop Faktor 2 einsetze, heißt es noch lange nicht, dass ich auf einmal ein “leichtes” Teleobjektiv habe.

Nur weil der Sensor kleiner wird, werden aus meinen 35mm nicht auf einmal 70mm.

Nehmen wir einfach mal das EOS 7D (APS-C). Der Anschluss beider Kameras ist gleich (EF-Bajonett).

Woher weiß das Objektiv, welche Kamera es gerade bedient?

Rein theoretisch, müsste der Crop Faktor auch die maximale Offenblende verändern.

Denn die Blende ist ja das Verhältnis zwischen der Eintrittspupille und der Brennweite. Wenn sich also die Brennweite verändert, muss sich auch die Blendenöffnung verändern/verkleinern.

So würde Beispielsweise aus dem oberen 50mm f/1.4 ein 80mm f/2.2. Und spätestens jetzt merkt man, dass es absoluter quatsch ist. Natürlich fällt die gleiche Menge Licht auf den Sensor. Unabhängig davon, welcher Sensor genau eingebaut wurde.

Den Vogel hat übrigens dieser Artikel hier abgeschossen. In dem vom Kit Objektiv (18-55mm) berichtet wurde aber ständig von einer Brennweite von 29mm, 50mm und 88mm geredet wird.

Vor allem, wenn ich in diesem Testbericht 50mm lese, weiß ich jetzt nicht so richtig, ob er jetzt die echten 50mm (also fast am Anschlag) oder die 35mm meint, die man am Objektiv einstellen kann.

Einfach nur grausam!

Was genau ist der Crop Faktor?

Nehmen wir mal zum Beispiel dieses “sehr gelungene” Selfie von mir:

Eins vorweg: Es handelt sich um eine reine Photoshop Simulation und beruht nicht auf tatsächlichen Tests. So, haben wir das auch gesagt 😃

So oder so ähnlich kommt das Bild durch das Objektiv in die Kamera rein.

Der grüne Bereich, wäre der Sensor einer Vollformat Kamera, während der rote Bereich ein APS-C Sensor wäre.

Wie man so schön sieht, wird also am APS-C Sensor einiges an Bildinformation abgeschnitten. Daher der Name Crop.

Der vermeintliche Irrtum

Damit der rote Bereich die gleichen Bildinformationen erhält, wie der grüne Bereich, stehen dem Fotografen genau zwei Möglichkeiten zur Verfügung

Ein paar Schritte nach hinten gehen

Würde die Wirkung der Brennweite natürlich beibehalten, jedoch hat dies wiederum Auswirkungen auf die Schärfentiefe.

Der Schärfebereich wird erhöht und der Hintergrund wirkt dadurch auch etwas schärfer abgebildet.

Eine kleinere Brennweite wählen

Um ein ähnliches Bild zu erhalten, kann man auch auf das 35mm f/2 Objektiv ausweichen.

Dadurch ergeben sich jedoch bereits die “Nebenwirkungen” eines Weitwinkel-Objektivs. Dieses kann nämlich etwas verzerren.

Glücklicherweise kommt das nicht so sehr zum Tragen, weil man ja etwas weiter wegsteht.

Womit kannst du leben?

Ganz ehrlich, ist persönlich gehe da dann lieber ein paar Schritte zurück. Durch das Weitwinkel-Objektiv habe auch einen Verlust an Schärfentiefe. Jedoch riskiere ich keine Verzerrungen im Bild zu erleiden.

Außerdem sind Normalbrennweiten in der Regel deutlich lichtstärker.

Allerdings muss das jeder für sich selbst entscheiden und nicht immer steht einem diese Option zur Verfügung. Teilweise steht man schon buchstäblich mit dem Rücken zur Wand und hat immer noch nicht das Motiv komplett im Bild drauf.

Da hilft dann nur noch die Verkleinerung der Brennweite oder wenn es möglich ist, ein Panorama. Dies kann man später in Lightroom ganz einfach zusammenfügen.

Vor- und Nachteile von Crop Kameras

Zählen wir mal zunächst die Nachteile auf. Diese sind nämlich gar nicht mal so viele, wie man denkt 😃

Das wäre nämlich wie bereits erwähnt die erhöhte Schärfentiefe (und zwar um den Crop Faktor) und zum anderen die schlechtere Leistung im Weitwinkelbereich.

Damit meine ich nicht, dass die Bildqualität schlecht wäre, nein. Es fehlen einfach die Bildinformationen und man wird dazu gezwungen ein Panorama zu erstellen, um ähnliche Ergebnisse zu erhalten.

Dem gegenüber stehen jedoch ein paar Vorteile.

Durch die pseudo Brennweitenverlängerung, werden deine Objektive natürlich im Telebereich viel effizienter. Und zwar je mehr Tele, desto effizienter. Ist es noch bei einem 50mm Objektiv eine fiktive Brennweite von 80mm (+30mm) so ist es schon bei 400mm bereits 640mm (+240mm).

Die Vollformat Besitzer kaufen sich extra dafür einen Telekonverter.

Ferner ist die Abbildungsleistung viel besser. Ist ja auch klar. Dadurch dass Randbereiche einfach abgeschnitten werden, fallen automatisch die Problemzonen weg und man bekommt “die saubere Mitte”.

Fairness halber muss ich auch sagen, dass die Pixeldichte im Vollformat viel höher ist, sodass man auch schärfere Fotos erzielt. Jedoch fällt das wirklich nur im direkten Vergleich bei 100% auf.

Durch die erhöhte Schärfentiefe, läuft man nicht so schnell in die Gefahr das Motiv unscharf abzubilden. Man hat einfach mehr Reserven.

Über jeden dieser Punkte kann man sich jedoch – wie immer – streiten.

Welche Kamera soll ich wofür kaufen?

Ein Vollformat hat in meinen Augen nur zwei Einsatzgebiete.

Das ist einmal Menschenfotografie im weitesten Sinne, da man hier einfach mehr Schärfentiefe bekommt und so das Motiv besser freistellen kann.

Zum anderen die Landschaftsfotografie im weitesten Sinne. Der Fotograf möchte mehr auf dem Bild haben. Mehr Landschaft. Mehr Eindrücke. Einfach meeehr 😃

Eine APS-C Kamera, mit dem Crop-Faktor von 1.5 (Nikon, Sony, etc.) bzw. 1.6 (Canon) ist für Action und Wildlife Fotografie sehr gut einsetzbar.

Man kommt einfach näher ran. Zwar könnte man theoretisch das Bild später auch noch zuschneiden, jedoch würde dann von einem 36MP großen Bild nur noch effektiv 14MP überbleiben. Und dafür kauft man sich wahrlich keine Vollformat Kamera 😃

Ach ja, fast vergessen. Anfängern würde ich auch eine Kamera mit einem bestimmten Crop Faktor (z. B. 2) ans Herz legen. Einfach weil billiger 😃

Fazit – Der Crop Faktor

OK, halten wir fest. Ein 50mm Objektiv hat selbst an einem Mini Sensor eine 50mm Brennweite. Allerdings wirkt es durch den kleineren Sensor deutlich größer, da für die gleichen Informationen mehr Megapixel zur Verfügung stehen.

Richtig ist jedoch, dass ein Bild, welches mit 50mm f/1.4 auf einem mit einer APS-C Kamera aufgenommen wurde, so ähnlich aussieht, wie ein Bild mit 80mm f/2,2. Die Unterschiede sind hier nur marginal und nur im direkten Vergleich sichtbar.

Eine Kamera mit einem gewissen Crop Faktor brauchst du nicht zu verstecken. Solche Kameras sind nicht schlechter als die “Großen Brüder”. Teilweise haben sie sogar die Nase vorne. Viele Profis fahren da auch zweigleisig und besitzen sowohl eine Vollformat, als auch eine Crop Kamera.

Wenn du es genauso siehst, dann teile es in deinen sozialen Kanälen und hinterlasse ein Kommentar. Wenn nicht, oder ich etwas vergessen habe, schreibe es ebenfalls in die Kommentare. Über konstruktive Kritik freue ich mich immer 😃

Was denkst du darüber?

Ups, da ist noch ein Fehler! Bitte korrigiere die markierten Felder.
Danke! Dein Beitrag bedarf noch einer Moderation. Ich schalte ihn bald frei.