Raus aus der Vollautomatik - Den manuelle Modus effektiv einsetzen

Die Automation ist heutzutage aus unserer Welt kaum wegzudenken und ist quasi überall. Teilweise haben wir uns schon so sehr an die Automatismen gewöhnt, dass es uns gar nicht mehr auffällt.

In den letzten Tagen, achte ich besonders darauf, was in meinem Leben alles automatisch abläuft.

Gestern ist mir beim Autofahren etwas witziges aufgefallen.

Es war ein wenig regnerisch und bereits dunkel. Ich fuhr auf einer Landstraße. Auf einmal gingen meine Scheibenwischer an. Die Sensoren haben erkannt, dass auf meiner Scheibe zu viel Wasser ist, die meine Sicht behindern könnten. Kurze Zeit später ging das Fernlicht an. Es war gerade kein Gegenverkehr und die Straße war nicht ausreichend ausgeleuchtet. Sobald es Gegenverkehr gab, hat mein Auto selbstständig das Fernlicht eingeschaltet. Das Automatik-Getriebe schaltet sogar selbstständig.

Während der Fahrt, konnte ich mich also auf die Straße konzentrieren und die ganzen “banalen” Sachen, hat mir quasi mein Auto für mich abgenommen.

Solche Automatismen funktionieren sehr gut, solange nur ein Parameter verändert wird. Sobald Gegenverkehr da ist, wird das Licht ausgemacht. Es gibt keine Alternative.

Die Kamera in der Vollautomatik

Für die korrekte Belichtung einer Kamera gibt es jedoch mehrere Parameter. Nämlich genau drei. Das wären nämlich: Blende, ISO und die Zeit.

Die Kamera verändert die Werte nach eingebauten Prioritäten.

Zunächst wird die Blende soweit komplett geöffnet. Anschließend wird die Zeit runter geregelt, sodass man die Regel 1/Brennweite nicht unterschreitet. Also 1/30s bei einer Brennweite von 24mm. Und als letztes wird noch die ISO angehoben. Wenn diese auch noch ein bestimmtes Limit erreicht hat, wird noch der interne Blitz ausgeklappt.

Dies ist aber nur eine mögliche Belichtung.

Und auch nicht immer die beste Wahl. Beispielsweise würde ich nie Personen mit einer Belichtungszeit von 1/30s fotografieren. Das wird in den meisten Fällen nach hinten losgehen.

Mehr Kontrolle durch die Halbautomatik

In den nächsten Schritten löst man sich so langsam von der Vollautomatik und übernimmt immer mehr und mehr Kontrolle über die Kamera.

Der P-Modus (Programmautomatik oder Profi-Modus)

Im P-Modus hast du bereits etwas mehr Kontrolle. Du kannst bereits die Bildstile und die Farbtemperatur frei wählen. Ebenso die Fokuspunkte und die Belichtungsmessung.

Der integrierte Blitz wird im P-Modus übrigens nicht mehr hochgeklappt.

Tipp: Wenn du noch immer in der Vollautomatik fotografierst, stelle einmal in den P-Modus um und fotografiere damit, solange du dich komplett sicher fühlst.

Dann kannst du in die nächsten Modi einsteigen.

Der Av-Modus (Blendenvorwahl)

Hier gibst du deiner Kamera die Blende vor und sowohl die Zeit als auch der ISO (solange Auto ISO an ist) wird automatisch ermittelt.

Dies kann sinnvoll sein, wenn du immer mit Blende f/1.8 fotografieren möchtest oder aber die Schärfentiefe einfach zu gering ist und du am Tage Blende f/4.0 nicht unterschreiten möchtest.

Durch die Blendenvorwahl hast du jedoch nicht zwangsläufig immer die gleiche Freistellung. Ein weiterer Faktor ist nämlich die Entfernung zum Motiv.

Ähnlich wie in den anderen Modi, wird zunächst die Zeit angepasst, bevor der ISO angehoben wird. So können ebenfalls ungewollt relativ kurze Belichtungszeiten entstehen.

Der Tv-Modus (Zeitvorwahl)

Dieser Modus ist ähnlich wie der Av-Modus, jedoch gibst du hier die Zeit vor. Stellst du beispielsweise eine Zeit von 1/80s ein, wird daran nichts gerüttelt.

Der Vorteil ist, wenn die Blende maximal offen ist, wird automatisch die ISO angehoben. Wenn diese bereits am Maximum ist, wird das Bild etwas unterbelichtet. So entsteht keine Bewegungsunschärfe im Bild.

Die volle Kontrolle im manuellen Modus

Du hast es bestimmt bereits geahnt, worauf ich hinaus möchte.

Der M-Modus. Entweder lässt man komplett die Finger davon oder man benutzt ihn ständig.

Bevor du dich jedoch mit dem manuellen Modus beschäftigst, lies dir bitte den Artikel über das Belichtungsdreieck und die Grundparameter – Blende, ISO und Zeit – durch.

Sobald du diese komplett verstanden hast und auch etwas in den jeweiligen Modi fotografiert hast, wirst du mit dem manuellen Modus gar keine Probleme haben.

Warum auch? Du hast nämlich genau drei Parameter, die du steuern kannst. Im P-Modus sind es jedoch mehr. Beziehungsweise andere.

Ganz ehrlich, ich habe bis heute noch nicht den Unterschied zwischen der Mehrfeld-, Selektivmessung und der Integralmessung verstanden. Wie groß sind die jeweiligen Bereiche, die zur Messung berücksichtigt werden?

Selbst wenn ich die Spot-Messung verwende, kann es sehr schnell nach hinten losgehen. Beispielsweise, wenn ich beim Fokussieren die dunkle Pupille treffe und einmal die weiße Hornhaut.

Oder die Belichtungskorrektur. Selbst wenn ich daran denke diese zu verstellen, ist es mir der Weg dahin zu umständlich.

Schnell und einfach die passenden Einstellungen finden

Also zunächst einmal folgen drei Grundeinstellungen der Kamera, an denen es nichts zu rütteln gibt.

Bildqualität: RAW
Weißabgleich: Automatisch
Bildstil: Standard

Warum das? Ganz einfach: sowohl der Weißabgleich als auch der Bildstil kann später in Lightroom geändert werden. Während der Aufnahme, interessiert es mich also nicht, was da die Kamera wählt. Und weil ich in RAW fotografiere, habe ich trotzdem die volle Kontrolle über das Bild.

ISO: Setze die ISO auf dein Standardwert (z. B. ISO 200)
Blende: Öffne die Blende soweit du kannst bzw. soweit du dich traust. (z. B. f/2.0)
Zeit: Passe die Zeit entsprechend an, bis die Belichtung passt.
ISO: Wenn du mit der Belichtung nicht mehr weiter heruntergehen willst oder kannst, hebe solange die ISO an, bis es passt.

Wenn sich die Lichtsituation nicht allzu gravierend ändert, steht die ISO sowieso auf deiner Standardeinstellung und die Blende ist sowieso fast immer fix. Du hast also nur noch die Belichtungszeit, die du anpassen musst.

Dazu gehst du wie folgt vor:

Nehme ein Bild auf und schau es dir an.

Ist es viel zu hell: Dann reduziere den Lichtwert um 3-5 Stufen.

Etwas zu hell wieder um ein paar Stufen.

Das machst du solange, bis das Bild etwas zu dunkel ist.

Jetzt setzt du die Belichtung entsprechend etwas hoch und dann sollte es passen.

Nach einiger Zeit wirst du die korrekte Belichtung nach 2 bis 3 Aufnahmen gefunden haben. Dabei kommt es nicht auf eine Drittel Blende an. Meistens ist es sowieso Geschmackssache und kann später in Lightroom korrigiert werden.

Fazit – Vollautomatik

Wie du sehen kannst, ist es echt kein Hexenwerk im manuellen Modus zu arbeiten. Ich kenne eigentlich nur drei Arten von Fotografen:

1. Es ist einem egal, wie das Bild gestalterisch aussieht:
Ganz ehrlich, wozu kauft man sich dann eine DSLR, wenn man mit der Vollautomatik fotografiert? Nur weil es cool aussieht? Weil die angeblich gute Bilder macht?

Kauf dir Kompaktkamera, da machst du mehr Bilder und die Ergebnisse sind (für dich) genauso gut. Teilweise sogar besser, weil man weniger falsch machen kann.

2. Man traut sich an den M-Modus nicht ran:
Diese Fotografen haben die Vollautomatik verlassen und beschäftigen sich ein wenig mehr mit der Kamera. Allerdings sind diese Modi, in meinen Augen sogar etwas schwerer zu beherrschen als der M-Modus. Den hier muss man neben den Standardparametern auch noch ein Blick auf die Belichtungskorrektur etc. haben.

3. Man fotografiert nur noch im M-Modus:
Die volle Kontrolle und der einfachste Modus nach der Vollautomatik. Schau nur ab und zu mal auf dein Display, ob das Licht noch passt. Unser Auge ist nämlich sehr anpassungsfähig und du bekommst Lichtveränderungen nicht so schnell mit.

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